Ötztaler 2013-DNF

Hier ein paar Worte, zum kürzesten Ötzi bei meiner 4. Teilnahme. Wie auch in den letzten Jahren war die Wettervorhersage für den Sonntag schlecht, aber bisher hat es immer ein Schönwetterfenster für den Sonntag gegeben und bis auf einen kurzen Schauer sind wir trocken durchgekommen. Aber dieses Mal sollte es sich nicht so gut ausgehen.

Samstag noch bei idealen Wetter hoch zur Mautstation vom Passo Rombo, 8oo Hm auf 15 km versprachen eine gute Vorbelastung für den Sonntag.
Nach dem üblichen Ablauf, Startunterlagen abholen, Rad checken, Klamotten bereit legen traf ich mich noch mit Harry und Martin auf 1-2 Kaffee bevor es zur Pasta Party ging. Eigentlich wollten alle nur wissen wie das Wetter am Sonntag wird, aber die Ansage war eher kurz. Es wird Regen geben, man soll sich darauf einstellen.
Am Nachmittag hatte mir noch ein Händler eine Assos Regenjacke angeboten, NUR 349,- sollte das gute Teil kosten. Bisher war ich mit meiner Gore Xenon gut gefahren, also lächelte ich und ging des Weges.
Sonntag früh um 4.30 als der Wecker schrillte ging ich auf den Balkon, und es goss wie aus Kübeln. Ein Blick aufs Regenradar verhieß nix gutes, die nächsten Stunden sollte sich daran nix ändern. Also erst mal frühstücken, 3 Brötchen und ein Müsli später machte ich mich langsam bereit. Bei dem Wetter musste man nicht hetzen für einen guten Platz im Startblock, gegen 6 rollte ich im leichten Regen in die Aufstellung. Einige Mutige standen in kurzer Hose und ohne Überschuhe am Start, keine Ahnung wie weit diese gekommen sind. Ich hatte für mein Empfinden alles mögliche getan um das Wasser so lange wie möglich von mir ab zuhalten. Assos RainCap, GoreTex Jacke, Weste und Handschuhe, kurze Regenhose und Überschuhe usw. Im Startblock noch den obligatorischen Müllsack übergelegt, mit 8°C war es so warm wie die letzten Jahre nicht am Start. Nur das Melkfett hatte ich leider zu Hause vergessen, ein schwerer Fehler wie sich im Nachhinein zeigen sollte.

Trotz des Wetters war in Sölden die Straße von Zuschauern gut besucht, dicht an dicht standen und klatschten sie uns hinaus ins Ötztal. Es wurde sehr gesittet abgefahren, die Bremsleistung war mehr als bescheiden. Nach den ersten 10 km musste ich die Brille abnehmen, von innen beschlagen, von außen der Regen und noch recht dunkel, war die Sicht gleich Null.
Auf den Flachstücken gab es die Auswahl zwischen Windschatten und viel Wasser, oder allein im Wind und normal Wasser. Schon vor Oetz floß das Wasser ungehindert in die Schuhe, zwar noch nicht kalt aber wie immer unangenehm. Dann auf in den ersten Anstieg hoch zum Kühtai, mal rechts mal links suchte ich mir meinen Weg. Es lief recht gut, Puls war unterhalb der Schwelle und ich machte 160 Plätze gut. Mit steigender Höhe wurde es nun auch merklich frischer, und ich stellte fest das ich keine Wassertropfen auf meiner Jacke sah. Irgendwie hatte die Schutzmembran den Geist aufgegeben und sich vollgezogen, nach und nach zog das Wasser durch alle Kleidungsschichten und es wurde nun auch noch feucht. (Ab und zu sollte man auch die beste Jacke neu imprägnieren) Der Regen wurde nun auch wieder stärker, die Handschuhe konnte man auswringen wie einen Schwamm. Ich sah viele Fahrer die sich Melkfett oder Vaseline ins Gesicht und auf die Beine geschmiert hatten, das hält Wasser und Kälte noch einige Zeit ab. (wenn sie nicht zu Hause im Schrank liegt)
Ab dem Speichersee oben am Kühtai wurde es dann so richtig nass und kalt, es goss weiterhin wie aus Kübeln und die Temperatur lag oben bei gerade mal 2°C. 50 m über der Paßhöhe ging der Regen als Schnee nieder, keine idealen Verhältnisse für einen Radmarathon. Ab und zu kamen uns schon einige Fahrer von oben entgegen, sie hatten den Kampf gegen die Natur bereits aufgegeben.

Innerlich kämpfte ich mit mir, weiterfahren oder abbrechen. 8500 km und 8 Monate der Vorbereitung und nach 2h sollte es vorbei sein? Aber ich hatte mir nach dem letzten Ötzi geschworen, meine Gesundheit geht vor, komme was wolle. Das ganze Jahr lang hatte ich mich zurück gehalten, privat sowie sportlich, keine ewig langen Touren, schon gar keine Marathon Reihe wie im letzten Juni-August. Zu tief saß noch die bittere Erinnerung vom letzten Jahr, keinesfalls wollte ich so was nochmal erleben. (auch wenn es dieses Mal nur eine harmlose Erkältung gewesen wäre)

Eine bessere Zeit sollte ich bei diesen Verhältnissen eh nicht heraus fahren, meine trockenen Klamotten hatte ich erst am Jaufen hintelegt, bis dahin lagen noch gute 110 km bei ungewissen Wetter vor mir. Wenn man wüßte ab wo es besser würde, vielleicht ist es in Innsbruck schon trocken, wärmer würde es auf jeden Fall dort sein.
Ich suchte Harry oder Martin in der Menge, zusammen leidet sich besser dachte ich mir. So stand ich max. 3-4 min oben an der Verpflegung, in dieser Zeit kühlte ich bereits so stark aus das ich das zitten anfing. Ich rollte noch kurz in die Abfahrt, überlegte die Möglichkeiten wenn ich von Kemnaten aus umdrehen müsste, dann stand meine Entscheidung fest, hier und jetzt endet der Ötztaler für mich.

Beim nächsten Rettungswagen hielt ich an und ließ mir eine Rettungsdecke geben. Der Sani fragte mich noch ob ich mich noch kurz aufwärmen möchte, aber es saßen eh schon 3 zitternde Radler drin, also fuhr ich weiter zum Hotel Dortmunder Höhe hinab. Weiter wäre ich glaube auch nicht gekommen, Kälte und der durchnässte Körper ließen keine Kontrolle bei der Abfahrt mehr zu, dabei war ich nie schneller als 20 km/h. Etliche fuhren noch immer bergauf, während ich schon abgeschlossen hatte. Im Hotel zog ich mir zitternd die feuchten Sachen aus und wärmte mich unter dem Handtrockner. Als ich wieder in den Gastraum kam hatte der sich mittlerweile mit Radlern gut gefüllt, ein paar Italiener waren so fertig, die bekammen vor zittern nicht mal mehr die Handschuhe aus. Ich genehmigte mir einen heißen Kaffee und erkundigte mich nach einem Weg hinunter nach Oetz zu kommen. Zum Glück war durch den Radmarathon auch der Nahverkehr betroffen und der Busfahrer meinte in 30 min fahre er hinunter und nehme uns mit. Er wendete noch mit seinem Bus und wir stopften uns samt Rädern hinein. Mir war zwischenzeitlich einigermaßen warm geworden, einige kämpften noch sichtlich mit der Kälte. Unten in Oetz war die Busfahrt leider schon wieder zu Ende, den 30 km Anstieg zurück nach Sölden mussten wir wieder mit dem Rad antreten. In einer 3er Gruppe ging es wie beim Bergzeitfahren ab, größtenteils mit Vollgas gibg es bis nach Sölden.
Ab dem Mittag kam dort dann auch die Sonne raus, wir saßen dann zusammen und beobachteten die ca. 2300 Finisher. Von über 4400 angemeldeten Teilnehmen sind letztendlich nur knapp über 3000 gestartet, ca. 1000 sind Aufgrund des Wetters erst gar nicht angereist oder im Bett geblieben. Weitere 1000 haben unterwegs abgebrochen, auch wenn es letztendlich ab dem Brenner trocken wurde und in St. Leonhard wieder 25°C waren.

Respekt für alle die durchgefahren sind. Sicher bin ich im Nachhinein enttäuscht, aber zu diesem Zeitpunkt war für mich eine Weiterfahrt nicht mehr möglich, sicherlich Aufgrund schlechter Vorbereitung (Regenschutz) meinerseits. Aber auch gut das man hin und wieder in die eigenen Grenzen verwiesen wird, dass nicht immer alles und jederzeit machbar ist, auch wenn man es sich so sehr wünscht.

Schon gut, sich das mindestens einmal im Jahr vor Augen zu führen!

Advertisements

3 Gedanken zu „Ötztaler 2013-DNF

  1. Wenn ich auch so schön schreiben könnte, hätte der Text auch
    von mir kommen können.
    Heute ging`s schon wieder ganz gut
    Bis die Tage

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s